Territoriale Besteuerung in Paraguay, erklärt
Die Systematik, die Ausnahmen, der Unterschied zwischen Privatperson und Gesellschaft, und die Grenzen gegenüber deutschen Renten, deutschen Immobilien und ausländischen Quellensteuern.
Zuletzt geprüft 2026-08-20Nächste Prüfung 2026-11-205 offizielle Quellen
Paraguay besteuert bei natürlichen Personen grundsätzlich nur Einkünfte paraguayischer Quelle. Der IRP nach Ley N° 6380/2019 knüpft an die Quelle an, nicht an die Ansässigkeit. Ausländische Einkünfte bleiben im Regelfall außerhalb der Bemessungsgrundlage.
"Im Regelfall" ist kein Weichmacher, sondern der Gesetzestext. Ley N° 6380/2019 enthält ausdrückliche Ausnahmen, und für Unternehmen gilt in Artikel 6 eine spürbar weitere Quellenregel als für Privatpersonen. Territorial heißt nicht steuerfrei.
Wie die Systematik gebaut ist
Paraguay hat sein Steuersystem mit der Ley N° 6380/2019 zur Modernisierung und Vereinfachung des nationalen Steuersystems neu geordnet. Für Privatpersonen ist der IRP maßgeblich, der Impuesto a la Renta Personal, und er kennt zwei getrennte Kategorien: Einkünfte aus Vermögen und Kapital auf der einen Seite, Einkünfte aus Dienstleistungen und persönlicher Tätigkeit auf der anderen. Beide werden getrennt ermittelt.
Für beide Kategorien gilt das Quellenprinzip. Steuerbar sind Einkünfte, deren Quelle in Paraguay liegt, typischerweise weil das Vermögen hier belegen ist, das Kapital hier wirtschaftlich genutzt wird oder die Tätigkeit hier ausgeübt wird. Die Regelungen dazu stehen in den Artikeln 47, 48 und 57 des Gesetzes.
Die Ausnahmen, die im Gesetz stehen
Der Punkt, an dem populäre Darstellungen ungenau werden, ist die Behauptung, ausländisches Einkommen sei in Paraguay ausnahmslos unbeachtlich. Ley N° 6380/2019 formuliert enger. Die englische Fassung dieser Analyse geht die einzelnen Tatbestände Artikel für Artikel durch: what the 0% actually covers. Wer wissen will, ob eine bestimmte Einkunftsart erfasst ist, sollte diese Seite lesen und die Frage anschließend mit dem Gesetzestext abgleichen, nicht mit einer Werbeaussage.
Wichtig ist die Struktur des Gedankens: Territorialität ist eine Zuordnungsregel, keine Befreiung. Sie beantwortet die Frage, welchem Staat ein Einkommen zusteht, und nicht die Frage, ob es irgendwo besteuert wird.
Der entscheidende Unterschied zwischen Person und Gesellschaft
Artikel 6 der Ley N° 6380/2019 regelt die Quelle für die Unternehmenssteuer IRE. Diese Regel ist weiter als die für Privatpersonen und erfasst ausdrücklich auch Zinsen ausländischer Banken, Dividenden aus dem Ausland und im Ausland ausgeübte Tätigkeiten.
Die praktische Folge ist unangenehm für alle, die aus Gewohnheit eine Gesellschaft gründen wollen: Eine paraguayische Gesellschaft kann Einkommen in die paraguayische Bemessungsgrundlage ziehen, das bei der Privatperson außerhalb geblieben wäre. Dazu kommt der IRE-Satz sowie der IDU auf Ausschüttungen. Die Details stehen auf Englisch unter IRP vs IRE.
Was das für einen deutschen Wegzügler bedeutet
Die territoriale Besteuerung ist die Belohnung am Ende eines Prozesses, nicht der Startpunkt. Sie wirkt erst, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind.
Erstens: Deutschland darf nicht mehr zugreifen. Solange die unbeschränkte Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 EStG besteht, unterliegt das Welteinkommen der deutschen Besteuerung, und die paraguayische Territorialität ändert daran nichts. Ohne Doppelbesteuerungsabkommen gibt es auch keine abkommensrechtliche Kollisionsregel, die den Fall auflöst. Siehe Steuern beim Auswandern aus Deutschland.
Zweitens: § 2 AStG darf nicht greifen. Selbst nach einem sauberen Wegzug kann die erweiterte beschränkte Steuerpflicht die nicht ausländischen Einkünfte bis zu zehn Jahre lang in Deutschland halten. Territoriale Besteuerung in Paraguay und erweiterte beschränkte Steuerpflicht in Deutschland schließen einander nicht aus, sie treffen unterschiedliche Einkünfte.
Die Bescheinigung, und was sie nicht ist
Die Resolución General N° 65/2020 der DNIT regelt das Certificado de Residencia Fiscal. Es ist das Dokument, mit dem Paraguay bescheinigt, dass Sie hier steuerlich ansässig sind. Es ist kein Nachweis dafür, dass ein anderer Staat Sie nicht mehr als ansässig behandelt. Diese Unterscheidung ist der Kern der englischen Seite tax residency vs legal residency.
Bemerkenswert am Verfahren ist, was es verlangt: unter anderem eine Constancia de Movimiento Migratorio, also Ihre Ein- und Ausreisehistorie. Die Behörde sieht Ihre tatsächliche Anwesenheit. Was sie nicht sieht, ist eine gesetzliche Mindesttagezahl, denn eine solche existiert für natürliche Personen nicht: die 183-Tage-Frage.
Wo die Territorialität an ihre Grenzen kommt
- Quellensteuern im Ausland. Dividenden, Zinsen und Lizenzen werden häufig im Quellenstaat besteuert. Ohne Abkommen gibt es keine reduzierten Sätze und regelmäßig keinen Erstattungsanspruch. Paraguayische Territorialität hilft dagegen nicht, weil sie nur regelt, was Paraguay besteuert.
- Deutsche Immobilien. Vermietungseinkünfte aus deutschem Grundbesitz bleiben nach § 49 EStG in Deutschland steuerpflichtig, unabhängig davon, wo Sie wohnen.
- Deutsche Renten. Leistungen inländischer gesetzlicher Rentenversicherungsträger sind nach § 49 Abs. 1 Nr. 7 EStG inländische Einkünfte. Siehe als Rentner nach Paraguay.
- Berichtspflichten. Territorialität ist keine Vertraulichkeit. Kryptotransaktionen ab einer Meldeschwelle sind gegenüber der DNIT anzuzeigen, und Finanzkonten werden nach dem internationalen Meldestandard identifiziert.
Zwei Konstellationen, die die Grenze sichtbar machen
Der Berater mit ausländischen Kunden. Eine Person lebt in Asunción und erbringt Beratungsleistungen für Kunden in Europa. Ob diese Einkünfte paraguayischer Quelle sind, entscheidet sich danach, wo die Tätigkeit ausgeübt wird, und die Tätigkeit wird hier ausgeübt. Die verbreitete Annahme, ausländische Kunden machten das Einkommen automatisch zu ausländischem Einkommen, hält der Systematik nicht stand. Wer hier arbeitet, arbeitet hier, unabhängig davon, wer die Rechnung bezahlt.
Das Depot im Ausland. Dieselbe Person hält ein Wertpapierdepot bei einer europäischen Bank. Erträge daraus stammen im Regelfall nicht aus paraguayischer Quelle und bleiben deshalb außerhalb der Bemessungsgrundlage des IRP. Was bleibt, sind Quellensteuern im Ausland, die ohne Abkommen nicht reduziert werden, und die deutschen Fragen, falls die Ansässigkeit dort nicht sauber beendet wurde.
Der Unterschied zwischen beiden Fällen ist nicht der Wohnort und nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die Quelle. Genau deshalb ist eine ehrliche Prüfung immer eine Prüfung Ihrer Einkommensarten, nicht Ihres Passes.
Der praktische Fehler, den wir am häufigsten sehen
Menschen prüfen die paraguayische Seite gründlich und die eigene Einkommensstruktur gar nicht. Sie lesen, dass Auslandseinkommen unbesteuert bleibt, und ordnen ihr gesamtes Einkommen dieser Kategorie zu, weil die Kunden im Ausland sitzen. Dabei ist die Zuordnung eine Rechtsfrage mit gesetzlichen Kriterien und keine Frage der Kontoverbindung des Kunden.
Die zweite Hälfte desselben Fehlers besteht darin, die deutsche Seite als erledigt zu betrachten, sobald die paraguayische geklärt ist. Beide Systeme prüfen unabhängig voneinander, und ohne Abkommen gibt es keinen Mechanismus, der zwischen ihnen vermittelt.
Der ehrliche Vergleich
Territorial besteuernde Systeme gibt es mehrere, und sie unterscheiden sich stark in dem, was sie als Quelle definieren und wie streng sie Ansässigkeit prüfen. Panama und Paraguay arbeiten beide mit dem Quellenprinzip, kommen aber in Verfahren, Kosten und Nachweisanforderungen zu verschiedenen Ergebnissen. Der Vergleich steht unter Paraguay oder Panama. Uruguay verbindet ein weitgehend territoriales System mit einem klaren Tagestest und einer befristeten Sonderregel, siehe Paraguay oder Uruguay.
Zur Genauigkeit. Diese Seite gibt die Systematik wieder und verweist für die einzelnen Tatbestände auf die englischen Detailseiten, die Artikel für Artikel arbeiten. Wir veröffentlichen hier keine Aufzählung "steuerfreier" Einkunftsarten, weil eine solche Liste ohne den Gesetzeswortlaut regelmäßig falsch verstanden wird. Für Ihre konkrete Einkommensstruktur brauchen Sie eine Prüfung, und für den deutschen Teil einen deutschen Steuerberater.
Weiterlesen: die 183-Tage-Frage, Hinzurechnungsbesteuerung, auf Englisch territorial tax explained.
Häufige Fragen
- Ist ausländisches Einkommen in Paraguay steuerfrei?
- Im Regelfall bleibt es außerhalb der Bemessungsgrundlage des IRP, weil dieser an die paraguayische Quelle anknüpft. Die Ley N° 6380/2019 enthält jedoch ausdrückliche Ausnahmen, und Territorialität ist eine Zuordnungsregel, keine Befreiung. Sie sagt nichts darüber, ob ein anderer Staat zugreift.
- Gilt für eine paraguayische Gesellschaft dieselbe Regel?
- Nein. Artikel 6 der Ley N° 6380/2019 regelt die Quelle für die Unternehmenssteuer IRE weiter als für Privatpersonen und erfasst ausdrücklich Zinsen ausländischer Banken, Dividenden aus dem Ausland und im Ausland ausgeübte Tätigkeit.
- Sind meine Einkünfte paraguayisch, wenn meine Kunden in Europa sitzen?
- Für Dienstleistungen kommt es darauf an, wo die Tätigkeit ausgeübt wird. Wer in Asunción arbeitet, arbeitet dort, unabhängig vom Sitz des Kunden. Die verbreitete Annahme, ausländische Kunden machten das Einkommen automatisch zu ausländischem Einkommen, hält der Systematik nicht stand.
- Was bleibt trotz Territorialität in Deutschland steuerpflichtig?
- Die inländischen Einkünfte nach § 49 EStG, insbesondere Vermietung deutscher Immobilien und Renten inländischer Zahlstellen nach § 49 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Hinzu kommt die mögliche erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG.
Ob Paraguay für Sie funktioniert, hängt daran, wie Sie verdienen
Nicht nur daran, wo Sie wohnen. Wir gehen Ihre Lage mit Ihnen durch, einschließlich der Fälle, in denen eine paraguayische Residencia nicht das Ergebnis bringt, das sich Leute davon versprechen. Das ist allgemeine Information und keine Steuerberatung: Zum deutschen Steuerrecht brauchen Sie einen deutschen Steuerberater. Ein Hinweis vorab: Diese Leitfäden sind auf Deutsch, unser Service ist es nicht. Das Erstgespräch, die Betreuung und der gesamte Schriftverkehr finden auf Englisch statt. Wenn Sie eine Beratung auf Deutsch brauchen, buchen Sie hier bitte nicht.
Quellen
Jede rechtliche Aussage, jede Gebühr und jeder Verfahrensschritt auf dieser Seite stammt aus den unten genannten Quellen und wurde am 2026-08-20 geprüft. Ändern sie sich, ändert sich diese Seite.
- Ley N° 6380/2019 — Biblioteca y Archivo Central del Congreso Nacional — IRP, IRE, IDU and INR: source rules, rates and exemptions
- Resolución General N° 65/2020 — DNIT — Certificado de Residencia Fiscal: requirements, issue time and validity
- § 49 EStG — beschränkt steuerpflichtige Einkünfte (Gesetze im Internet) — Inländische Einkünfte, darunter nach Absatz 1 Nummer 7 Leibrenten inländischer gesetzlicher Rentenversicherungsträger und weiterer inländischer Zahlstellen
- § 2 AStG — erweiterte beschränkte Einkommensteuerpflicht (Gesetze im Internet) — Zehn Jahre nach dem Wegzugsjahr, fünf von zehn Jahren als Deutscher, Niedrigbesteuerung nach dem 77.000-Euro-Maßstab, wesentliche wirtschaftliche Interessen, Grenze von 16.500 Euro
- Bundesfinanzministerium — staatenbezogene Informationen zum internationalen Steuerrecht — Der jeweils aktuelle Stand der deutschen Doppelbesteuerungsabkommen
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